Andrea Thömmes

Der Musikverein Wallenborn wurde im Jahre 1910 von acht musikfreudigen Männern ins Leben gerufen. Er ist somit einer der ältesten Musikvereine im Kreise Daun. Gegründet wurde die Kapelle in der Feuerwehr und nannte sich Feuerwehr-Musikkapelle. Erst in den Jahren nach dem
II. Weltkrieg wurde ein selbständiger Musikverein daraus. Die acht Gründungsmitglieder entschieden sich für folgende Besetzung:

Peter Zimmer, Bass
Matthias Zimmer, Flügelhorn
Josef Zimmer, Tenorhorn
Nikolaus Eul, Klarinette
Johann Becker, Klarinette
Johann Eul, Trompete
Peter Weier, Trompete
Peter Horten, Es-Horn

Da es zu dieser Zeit sehr schwierig war, in der näheren Umgebung einen geeigneten Lehrer zu finden, gingen sie jeden Sonntag zu Fuß durch das sogenannte "Heyerots-Pertjen" nach GeroIstein, zu dem damaligen Musiklehrer und Klavierstimmer Jakobs.
Die Kapelle spielte hauptsächlich bei kirchlichen Veranstaltungen, da es nur wenige gesellige gab. Ein besonderer Auftritt für den jungen Musikverein war, als er bereits im Jahre 1911, beim Bau der Erlöserkirche in Gerolstein, vor Kaiser Wilhelm II. spielen durfte.
Proben wurden damals nur kurz vor jedem Auftritt abgehalten. Der Dirigent in dieser Zeit war der Bass-Spieler Peter Zimmer, da man es sich nicht leisten konnte, einen aktiven Musiker zu verlieren.
Diese Situation änderte sich erst im Jahre 1961, als Peter Zimmer-Pflüger die Leitung übernahm. In der Zwischenzeit waren noch der Es-Klarinettist Johann Becker und Johann Fischbach, unterstützt von seinen Söhnen, Klaus und Ewald, als Dirigenten tätig.
Klaus Fischbach komponierte in den späteren Jahren den Marsch "Gruß aus Wallenborn", der bei vielen Auftritten der Blaskapelle zur Eröffnung als besonderes "Markenzeichen" gespielt wird.
Die musikalische Tätigkeit des Vereines ruhte zwischen den beiden Weltkriegen. Diese unfreiwilligen Pausen warf die Kapelle jedes mal weit zurück, so daß sie wieder von vorne anfangen mußten. Eine weitere Schwierigkeit, die der Verein zu bewältigen hatte, war die Frage des geeigneten Übungsraumes. Lange Zeit wurde in den Häusern der einzelnen Leiter und Musiker geprobt, bevor die Gaststättenbesitzer Klassen und Becker ihre Wirtsstube oder ihren Saal zur Verfügung stellten. Auch die Schreinerwerkstätte von Johann-Josef Zimmer diente einige Zeit als Übungsraum. Ein weiterer Übungsraum stand in der Turnhalle im Grundschulgebäude zur Verfügung. Heute hat der Verein bereits seit vielen Jahren einen eigenen Raum in der alten Lehrerwohnung der Grundschule, den er selbst ausgebaut und gestaltet hat. Die frühere Entwicklung der Blasmusik ist in der Festschrift zum siebzigjährigen Bestehen des Vereines aufgezeichnet. In Wallenborn herrscht seit jeher eine rege Vereinstätigkeit, die das Dorf geschehen stark prägt. Dazu leistet auch der Musikverein einen wesentlichen Beitrag. So hat er viele Aufgaben zu erfüllen, dies gilt sowohl für den kirchlichen, wie auch für den weltlichen Bereich. Im Laufe des Kirchenjahres spielt er zu vielen Anlässen, zum Beispiel an Weihnachten, am Weißen Sonntag und an Fronleichnam. Weltliche Anlässe sind es dagegen mehr. Allein in Wallenborn gibt es eine große Zahl von Veranstaltungen, an denen der Musikverein sehr gefragt ist. So hat es sich in der letzten Zeit eingebürgert, daß er private Feste bei Aktiven, Inaktiven und Nichtmitgliedern durch ein Ständchen umrahmt, wie etwa bei Silberhochzeiten, Goldenen Hochzeiten und Geburtstagen. Weiterhin spielt er zu vielen Vereinsfesten in und außerhalb Wallenborns, und zwar bei Schützenfesten, Feuerwehrfesten, an Karneval, Erntedankfesten und zu anderen Anlässen.
Jedes Jahr wird ein Musikfest veranstaltet, zu dem befreundete Musikkapellen eingeladen werden. Der Verein ist auf die Einnahmen angewiesen, da viele hohe Unkosten bestritten werden müssen. Die große Zahl von Auftritten fordert von den Musikern ein hohes Engagement und Liebe zur Musik, da allein schon für die Proben viele Übungsstunden anfallen.
Der heutige Dirigent ist Willi Krones aus Eckfeld. Er leitet nach Rudi Steil die Kapelle und ist der erste auswärtige Dirigent. Die Mitgliederstärke war in den vergangenen Jahren sehr unterschiedlich. Bereits 1960 gehörten der Kapelle 19 Musiker an, 1970 waren es schon 24. Im Jahre 1980 wurde der Höchststand von 35 aktiven Musikern erreicht, von denen immerhin 11 Jugendliche unter 18 Jahren waren. 1988 wirken 27 Mitglieder mit, die alle älter als 18 Jahre sind. Leider hat das Interesse der Jugendlichen am Musikleben des Vereins sehr nachgelassen. Deshalb ist es auch äußerst schwer, neuen Nachwuchs zu finden. Das ist sehr schade, da der Verein sehr auf neue Mitglieder angewiesen ist.
Neben den Aktiven hat der Musikverein noch 90 inaktive Mitglieder, welche die Vereinstätigkeit sehr unterstützen. Für das Kulturleben in Wallenborn ist es sehr wichtig, daß auch in Zukunft ein guter Musikverein dem Dorfe erhalten bleibt.