Matthias Thömmes

Die ersten Schulen in unserem Bereich wurden von der Kirche eingerichtet. Schon sehr früh verlangte diese von den Geistlichen, daß sie Schule halten sollten, aber erst im 16. Jahrhundert konnte diese Forderung verwirklicht werden. In diesen Schulen wurde allerdings nur in gewissen Abständen unterrichtet, außerdem gab es sie nur in größeren Orten. Es waren Pfarrschulen, in denen die Unterweisung in der christlichen Lehre neben Lesen und Schreiben im Vordergrund stand. Im übrigen war für die schulische Bildung äußerst wenig Interesse vorhanden. Das änderte sich etwas im 17. und 18 Jahrhundert, als die Erzbischöfe und Kurfürsten sich für die Unterrichtung der Jugend einsetzten. Sie gaben Schulverordnungen heraus, die aber zunächst auch noch wenig Beachtung fanden.
In der Regel wurde im Winter unterrichtet, da die Kinder im Sommer in der Landwirtschaft tätig sein mußten. Es gab allerdings vereinzelt schon Orte, wo ganzjähriger Unterricht angeboten wurde. Doch kamen im Sommer auch hier nur wenige Kinder, und selbst im Winter war der Schulbesuch vieler Kinder sehr unregelmäßig. Manche kamen trotz Schulpflicht nie. Die Kosten für die Schule wurden von allen Mitgliedern der Pfarrgemeinde getragen.
Wie miserabel es damals um das Schulwesen stand, zeigt allein die Tatsache, daß selbst viele angestellte "Lehrer" kaum des Lesens, Schreibens und Rechnen kundig waren. Die meisten Orte hatten noch nicht einmal ein Schulgebäude. So heißt es in einem Visitationsbericht der Jahre 1742/43 über die Pfarreien Meisburg und Salm, daß keine Schulhäuser vorhanden seien. Aus der Pfarrei Salm wird weiter berichtet, daß der Unterricht im Winter in einem Mietshaus stattfinde, aber gut besucht wurde. Der Lehrer bekam als Lohn von jedem Haus jährlich 1/2 Sester Korn (10 Pfund) und von jedem Schulkind Schulgeld nach Übereinkommen. Wir können annehmen, daß die Verhältnisse in Wallenborn ähnlich waren.
Im Jahre 1777 wurde dann in Wallenborn das erste Schulgebäude errichtet. Es stand in der Nähe der Kirche und wurde erst in den Jahren 1947/48 abgerissen, um dem Kirchenerweiterungsbau Platz zu machen.
Nun besserten sich die Schulverhältnisse von Jahr zu Jahr, vor allem nachdem 1825 unter preußischer Verwaltung Schulpflicht für Kinder ab dem 6. Lebensjahr eingeführt wurde. Man legte damals großen Wert auf die Mitwirkung der Geistlichen, die noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein "Schulinspektoren" waren. Entlassen konnte man beispielsweise nur werden, wenn der Pfarrer vom weiteren Schulbesuch entband. Die Schulen wurden Elementarschulen genannt.
Bis zum 1. Weltkrieg stabilisierten sich die Schulverhältnisse auch in unserem Raume immer mehr. Vor allem erhielten jetzt die Lehrer eine bedeutend solidere Ausbildung, so daß sie nun in der Lage waren, einen qualifizierten Unterricht zu erteilen.
Die Schule in Wallenborn war bis zur Fertigstellung des neuen Schulgebäudes im Jahre 1908 einklassig. Der erste Lehrer, über den wir in der Schulchronik näheres erfahren, war Franz Klassen. Am 14.9.1873 in Arenrath geboren, kam er am 14.8.1893 an die einklassige Schule in Wallenborn. Vierzig Jahre lang leitete er hier die Volksschule bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1933 und prägte in dieser Zeit die Bewohner des Ortes entscheidend mit.
So war er es hauptsächlich, der den Bau der neuen Schule außerhalb des Ortskernes in die Wege leitete und voran trieb. Ihm ist es auch zu verdanken, daß in Wallenborn schon kurz nach dem Einzug in die neue Schule eine zweite Lehrkraft eingestellt wurde. Ab 1908 unterrichtete Lehrer Klassen mit seiner Kollegin Gertrud Porteset an der Schule in Wallenborn: er die Knaben der Oberstufe und die Mädchen der Mittelstufe, sie die Mädchen der Oberstufe und die gemischte Unterstufe. Das damalige Schulwesen war von der Kaiserzeit geprägt. So wurden sowohl die nationalen Gedenktage (Sedan, Reichsgründung usw.) wie auch die persönlichen Jubiläen des Kaisers (Geburtstag) gebührend feierlich begangen. Der Lehrer selbst war in das dörfliche Leben integriert, galt als Respektsperson - neben dem Pfarrer - und war bei allen Anlässen im öffentlichen Dorfleben Helfer und Berater, ob das nun Vieh- oder Volkszählung, Chorleiter- oder Organistendienst war. Gerade in dieser Beziehung hat sich Lehrer Klassen in Wallenborn große Verdienste erworben. Neben der Kirchenmusik war der Obstanbau sein großes Wirkungsfeld und mancher Obstbaum in und um Wallenborn ist von ihm gepflanzt.
Mit dem 1. Weltkrieg ging es dann auch, wie in vielen anderen Bereichen, mit den Schulverhältnissen bergab. Viele Lehrer wurden eingezogen. So mußte auch Lehrer Klassen im Jahre 1915 zum Militär, so daß der Unterricht von der Lehrerin allein gehalten wurde. Sie unterrichtete in dieser Zeit die fünf Oberklassen drei Stunden vormittags, sowie die drei Unterklassen drei Stunden nachmittags. Wurde sie krank, mußte der Unterricht ganz ausfallen oder die Wallenborner Schule von dem Lehrer in Salm vertreten werden.
Dieser Zustand hielt allerdings nur ein Jahr lang an, denn im Januar 1916 kehrte Herr Klassen zurück und konnte den Unterricht wieder aufnehmen.
Im Jahre 1917 allerdings mußte er wieder einrücken, wurde ein Jahr später aber erneut entlassen und konnte ab dem 4. Januar 1918 wieder unterrichten. Im Jahre 1921 wurde die Lehrerin Porteset von der Kollegin Herber abgelöst, die bis zum Jahre 1934 die Stelle innehatte. Danach übernahm Frau Maria Bauer, allerdings nur für wenige Monate, die Grundschulklassen. Nach einer kurzen Vertretungszeit durch den Schulamtsbewerber Richard Hommerding, kam Lehrerin Ida Hellwig als zweite Lehrkraft an die Wallenborner Schule. Sie unterrichtete hier bis zum Juli 1937 und wurde dann von der Schulbewerberin Paula Feiges abgelöst.
Nach der Pensionierung von Lehrer Klassen übernahm Lehrer Padberg die Leitung der Volksschule Wallenborn. Er mußte sich bereits den Direktiven der Nationalsozialisten unterwerfen, die am 31. Januar 1933 die Macht über Deutschland übernommen hatten. Die Folge waren unter anderem ständige NS-Kurse und -Tagungen, die Padberg über längere Zeiträume absolvierte und während dessen die Schule vertreten werden mußte. Als am 1.2.1938 die Lehrerin Feiges nach Jünkerath abgeordnet wurde, mußte Padberg zeitweise allein unterrichten. Die Schule Wallenborn hatte damals 93 Kinder. Dieser Zustand änderte sich nur kurz, als die Stelle am 1. April 1938 von der Schulamtsbewerberin M. Mellage besetzt wurde. Bereits einen Monat später am 1. Mai, mußte sie nach Wißmannsdorf überwechseln.
Am 11. Juli 1938 übernahm dann die Lehrerin Josefine Scholl die Grundschulklassen in Wallenborn. Wenige Wochen später, am 1.9.1938, verließ Lehrer Padberg den Ort, nachdem er fünf Jahre hier unterrichtet hatte. Sein Nachfolger wurde am 4. Oktober 1938 Lehrer Alois Keidel, dem die schwere Aufgabe zufiel, die Geschicke der Volksschule Wallenborn während des II. Weltkrieges zu leiten. Zu diesem Zeitpunkt besuchten 89 Kinder die Schule: 39 im 5. bis 8., 50 im 1. bis 4. Schuljahr.
Nach neunmonatiger Tätigkeit verließ Josefina Scholl zu Beginn der Osterferien 1939 die Schule. Ihre Nachfolgerin wurde am 2. Mai desselben Jahres Lehrerin Katharina Schmitt.
Auch Lehrer Keidel unterstand dem NS-Regime und mußte ihm Folge leisten. So war auch er öfters auf Tagungen und Kursen, während dessen er im Unterricht vertreten werden mußte.
Mit Kriegsbeginn am 1. September 1939 begann dann für die Schule Wallenborn die Zeit der Drangsale. Bereits am 5. September wurden beide Schulsäle durch Einquartierung belegt, so daß der Unterricht über längere Zeit völlig ausfallen mußte. 91 Kinder mußten zu diesem Zeitpunkt unterrichtet werden. Im Laufe der Kriegsjahre wiederholte sich dieser Zustand in regelmäßigen Abständen. In den wenigen Schulwochen zwischendurch wurden dann zudem noch viele Schulstunden zum Heilkräutersuchen und AltmaterialsammeIn geopfert. Die Bemühungen Lehrer Keidels bei den jeweiligen Kompanieführern, wenigstens einen Schulsaal für Unterrichtszwecke freizuhalten, fruchteten nicht. Bitter beklagte sich Keidel in der Chronik über die allmähliche Verwilderung der Schuljugend nicht nur durch den vielen Schulausfall, sondern vor allem durch den Umgang mit den Soldaten. Als 1940 Lehrerin Schmitt pensioniert wurde, trat Lehrer Ohmer an ihre Stelle. Schulleiter Keidel lobt ihn als gewissenhaften und zuverlässigen Kollegen. Lehrer Ohmer wurde 1941 von der Lehrerin Suse Meyer abgelöst.
Im Jahre 1943 stieg die Schülerzahl in Wallenborn auf 103. Im Hinblick auf die damalige Schulsituation läßt sich ermessen, welch großen Schaden die Kriegsjahre für diese verhältnismäßig hohe Zahl von Jugendlichen mit sich brachten, vor allem, als im Jahre 1944 wegen der großen Fliegergefahr und nicht zuletzt auch wegen der V 1 die Schule ganz geschlossen werden mußte. Lehrer Keidel schreibt wörtlich in der Chronik: "Am 27.8.1944 erhielt ich von der Post des Amtes Gerolstein Bescheid: Unterricht einstellen, für anderweitigen Einsatz bereithalten." Keidel wurde dann im Oktober 1944 zum Westwall eingezogen, während seine Kollegin Suse Meyer noch eine Zeitlang weiter allein unterrichtete.
Lehrer Keidel berichtet weiter in der Chronik: "Am 23.10.1944 nahm ich den Unterricht wieder auf, stellte ihn aber Anfang November wieder ein, da die über das Dach des Schulhauses hinweggehenden V 1 Geschosse dieses allzusehr gefährdeten."
Nachdem Keidel am 1.11.1945 an die Volksschule in Mehren versetzt worden war, wurde am 2.2.1946 durch Verfügung des Regierungspräsidenten in Trier die vertretende Verwaltung der Schulstelle in Wallenborn dem Schulhelfer Fritz Keßler übertragen. Damit konnte nach etwa
1 1/2-jähriger Unterbrechung der Schulunterricht wieder aufgenommen werden.
Da der Geburtsjahrgang 1931/32 während des Krieges nicht mehr entlassen werden konnte, bildeten diese Kinder in dem neu gebildeten Klassenverband das neunte Schuljahr. Die Gesamtzahl der Schüler betrug zu diesem Zeitpunkt 118 Kinder.
Dieses neunte Schuljahr verblieb jedoch nur wenige Tage in der Schule. Schon am 26.2.1945 erfolgte die Entlassung. Es folgte eine Zeit des Wiederaufbaues. Allein die Beseitigung der Kriegsschäden am Schulgebäude benötigte bei der damaligen Materialknappheit mehrere Jahre. Ständiger Lehrerwechsel behinderte die kontinuierliche Unterrichtsarbeit und die Weiterbildung der Schüler. Schließlich hatte die 1965/66 einsetzende Schulreform auch für die Schule Wallenborn einschneidende Folgen. Nachdem 1966 die Schule umgebaut, erweitert und anschließend mit neuem Mobiliar ausgestattet worden war, erfolgte 1967 die Zusammenfassung der 9. Schuljahre in Meisburg. Im Jahre 1968/69 erfolgte dann die endgültige Zentralisierung der Oberstufen in der Mittelpunktschule, später Hauptschule NiederstadtfeId. Danach verblieben in Wallenborn und Salm nur noch die Schüler des 1. bis 4. Schuljahres.

Von Kriegsende bis heute waren in Wallenborn folgende Lehrerpersonen tätig:

Fritz Keßler (1946 - 1948)
Leo Michels (1946)
Marianne Theobald (1946 - 1948)
Gottfried Keul (1948)
Josef Ruhe (1943 - 1949)
Schmitz (1948)
Edmund Meyer (1949 - 1951)
Bernhard Mehler (1949 - 1965)
Josef Reich (1950 - 1951)
Erna Merkes (1951 - 1952)
Marlies Jutz (1960 - 1963)
Anni Rösch (1963 - 1970)
Manfred Windhausen (1965 - 1966)
Günther Britz (1966 - 1971)


Mit dem Bau der Mittelpunktschule Niederstadtfeld - heute ist es eine Hauptschule - und der Neuorganisation der Grundschule Wallenborn mit einer Zweigstelle in Salm, zu deren Einzugsbereich auch Deudesfeld, Meisburg und Weidenbach gehören, änderte sich das Schulwesen auch in Wallenborn. Seit dem Jahre 1974 ist die Schule Wallenborn keine Einrichtung der Gemeinde mehr, sondern steht in der Trägerschaft der Verbandsgemeinde Daun. Folgende Lehrkräfte haben nach der Einleitung der Zentralisierung des Schulwesens Ende der sechziger Jahre an der Schule Wallenborn oder der Außenstelle Salm unterrichtet oder unterrichten noch.

Wolfgang Niesen
Hans Häser
Andrea Fricke
Walter Schuster
Franz Schifferings
Mathilde Hermes
Helga Schulten
Kilian Staudinger
Ingrid Hamaekers


Quellen:
Die Geschichte der Volksschule, Edgar Christoffel, Trier 1975
Chronik der Schule Wallenborn 1908 bis 1967